(Turnier-) Tanzen als Breitensport

(Turnier-) Tanzen als Breitensport

Mitte Oktober haben wir in unserem Beitrag „Der Videochronist des gleichgeschlechtlichen Turniertanzsports“ einen Einblick in das videographische Werk Stefan Conradis gegeben.  Stefan hat als Hobbyfilmer seit über zehn Jahren viele gleichgeschlechtliche Standard- und Latein- Tanzturniere aufgenommen, diese bearbeitet und im Internet veröffentlicht, und im Laufe der Zeit eine immer größere Perfektion erreicht.

In dem Beitrag gab es als Anschauungsbeispiele vor allem Aufnahmen von Endrunden der A-Klassen, die überwiegend mit hoher Perfektion und entsprechender „Wettkampfkleidung“ ein recht ambitioniertes Bild davon abgeben, was mann und frau mit entsprechendem Training (und natürlich auch Begabung) nach längerer Zeit erreichen kann….  und das kann natürlich die oder den DurchschnittstänzerIn, die/der sich wöchentlich im Tanzkurs abmüht, auch frustrieren und demotivieren.

Da GleichTanz.de aber keine Turniersportseite ist, sondern ein Forum für alle gleichgeschlechtlich Tanzenden darstellen möchte, also auch für gelegentliche Freizeit- oder regelmäßige Breitensport-TänzerInnen, für SpaßtänzerInnen oder Ambitionierte, möchten wir in diesem Fortsetzungsbeitrag Beispiele geben von Tanzenden, die auf einem guten „Breitensportniveau“ ihrem Hobby (!) nachgehen.

Da alle VideofilmerInnen sich aber gerne auf die Darbietungen der obersten Startklassen stürzen, ist es gar nicht so einfach, schöne Filme der C- und noch weniger der D-Klasse zu finden.  In diesen drei Videos, die Stefan bei den Deutschen Meisterschaften der Frauen- und Männerpaare 2011 in Dortmund  gedreht hat, sind Frauen- und Männer-Paare in der C-Klasse (Latein) zu sehen, sowie Männerpaare, die in der D-Klasse Standard tanzen.

Die meisten erreichen ein dem Anspruch entsprechendes gutes Leistungsniveau,  es ist zu sehen, dass diese Paare viel trainiert haben, und manche von ihnen scheinen (trotz oder evtl. gerade wegen ihrer „Imperfektion“) auch etwas entspannter und spassvoller zu wirken als so manches LeistungstänzerInnen-Paar aus der A- oder B-Klasse.

Männer / Standard / D-Klasse:

In dieser Klasse werden nicht alle fünf Standardtänze getanzt, sondern nur Langsamer Walzer, Tango und Quickstep.  (Also keinen Slow Fox oder Wiener Walzer).

Frauen / Latein / C-Klasse:

In dieser Klasse werden nicht alle fünf Lateintänze getanzt, sondern nur ChaCha, Rumba und Jive.  (Also keine/n Samba und PasoDoble).

Männer / Latein / C-Klasse:

In dieser Klasse werden nicht alle fünf Lateintänze getanzt, sondern nur ChaCha, Rumba und Jive.  (Also keine/n Samba und PasoDoble).

Die Paare, die in diesen drei Videos tanzen, befinden sich in der Endrunde ihrer jeweiligen Startklasse, d.h. es gab vorher bereits Vor- und Zwischenrunden, an denen eine größere Zahl von Paaren teilnahm und diese sind dabei leider nicht „weitergekommen“. Jedes wird von allen WertungsrichterInnen (nach DTV-Regel eine ungerade Zahl, hier waren es ca. sieben (?)) bewertet.

Bei den D- und C-Klassen gibt es übrigens eine „Schrittbegrenzung“, das heißt, dass es einen festen Katalog von Schrittfolgen gibt, der bei Tanzturnieren erlaubt ist.  Die WertungsrichterInnen sollen nämlich nicht durch das Einstudieren von ein paar besonders schwierigen Figuren geblendet werden, sondern der tänzerische Gesamteindruck soll im Vordergrund stehen….

Und noch eine Bemerkung zum Schluß:  Das trainieren von Fertigkeiten, egal ob Sport oder Musikinstrument oder eben Tanzen, hängt natürlich auch von Talent und körperlicher Fitness ab.  Zudem sollten ambitionierte Leistungs- oder Breitensport-TänzerInnen dabei auch nicht vergessen, dass mann/frau in der Regel eingeschränktere Entwicklungsmöglichkeiten hat, wenn nicht schon in der Jugend, sondern erst im (späteren) Erwachsenenalter mit dem Tanzen begonnen wurde.  Und gerade dieser verspätete Beginn oder die zwischenzeitliche längere Unterbrechung scheinen nach meinem Eindruck ja auch ein häufiger zu findendes biographisches Muster von GleichTänzerInnen zu sein.

Günther Schon

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1 Kommentar

  1. henry

    Hallo Günther,
    vielen Dank für den letzten Infobrief und die Lanze, die du für die unteren Klassen im Equalitytanzsport brichst. Die kommen leider immer zu kurz und die fehlende Berichterstattung ist aus meiner Sicht auch ein Grund dafür, dass uns der Nachwuchs im Turniergeschehen (besonders bei den Männern) langsam ausgeht.
    Eine kleine Richtigstellung zu deinem Beitrag sei mir gestattet: In den unteren Startklassen (D und C) gibt es, im Gegensatz zu den Turnieren im Heterobereich, keine Schrittbegrenzungen weder in den Standard- noch in den Lateintänzen. Jedes Paar darf also das tanzen, was es möchte. Wichtig für Neueinsteiger: Es gibt auch keine Mindestanforderungen, wer also einfache Grundschritte tanzen möchte, darf das. Und manchmal ist weniger eben mehr.
    Viele Grüße und ein schönes Weihnachtsfest.

    Henry Dölitzsch
    Pressewart des DVET
    Deutscher Verband für Equality-Tanzsport e.V. – DVET
    http://www.equalitydancing.de

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