Behörden und Bevölkerung sabotierten die NS-Schwulenverfolgung

Behörden und Bevölkerung sabotierten die NS-Schwulenverfolgung

Das Buch „‚Aus dem Volkskörper entfernt‘?“ von Alexander Zinn über die Verfolgung homosexueller Männer im Dritten Reich kommt zu einigen überraschenden Ergebnissen.

Alltag und Verfolgung homosexueller Männer im Nationalsozialismus sind bislang nur lückenhaft erforscht. Alexander Zinn nimmt dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte in seinem am Donnerstag erschienenen Buch „‚Aus dem Volkskörper entfernt‘?“ neu in den Blick.

Auf knapp 700 Seiten hat der Soziologe und Historiker eine detaillierte Studie vorgelegt, die eine neue und umfassende Sicht ermöglicht. Im Fokus stehen nicht nur das Verfolgungsprogramm der Machthaber, das sich immer weiter radikalisierte, sondern auch die Rolle von Polizei, Justiz und Bevölkerung sowie – nicht zuletzt – die der Betroffenen selbst.

Mit überraschenden Ergebnissen: So klafften Anspruch und Wirklichkeit der Verfolgungspolitik oft eklatant auseinander. Denn nicht immer erwiesen sich die Behörden als die „willigen Vollstrecker“, als die man sie heute meist sieht. Und auch die Bevölkerung arbeitete dem Verfolgungsapparat in weit geringerem Maße zu als bislang oft unterstellt.

Das Buch, das von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld finanziell gefördert wurde, wird am Donnerstagnachmittag von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas im Rahmen einer Podiumsdiskussion der Öffentlichkeit vorgestellt.

Infos zum Buch:
Alexander Zinn: „Aus dem Volkskörper entfernt“? Homosexuelle Männer im Nationalsozialismus. Sachbuch. Gebunden. 698 Seiten. Campus. Frankfurt 2018. 39,95 €. ISBN 978-3-593-50863-4. Auch als E-Book erhältlich

Quelle: queer.de (12.04.18)

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